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Jakob von Artevelde. 111
frage um die Erhöhung des Tagelohnes hatte ſich in ei⸗ nen Zwiſt der Eigenliebe und des Hochmuthes verwan⸗ delt. Es kam nun nur darauf an, wer ſeine Gegner er⸗ niedrigen würde.
Den Webern gegenüber, von dem Utenhoveſteen bis an die Wolveſtege, bildeten die Walkmüller eine unge⸗ ſtüme Schaar, welche ſich in verſchiedenen Haufen rund um eine Anzahl wüthender Sprecher zerbröckelt hatte. Was dieſe Zunft vor allen anderen kenntlich machte, war die ſichtliche Armuth der meiſten Mitglieder, deren zer⸗ riſſene Kleider und elendes Aeußere bezeugten, daß ſie nicht in gleichem Maße mit den Anderen Theil hatten an der allgemeinen Wohlfahrt. Auch hier brannte auf allen Geſichtern der Zorn. Hier hörte man die ſcheußlichſten Verwünſchungen, die ſchrecklichſten Drohungen gegen die Weber zum Himmel ſteigen. Eine Menge Weiber, die als abſcheuliche Geiſter des Haſſes und der Rache die Männer zur Raſerei aufregten, liefen mit verwirrten Haaren unter dieſer Zunſt umher und erfüllten mitunter die Luft mit ſchneidendem Mordgeheul.
In der Ecke, an der Minnemanſtege, ſtanden die Schmiede, mit ihren Schurzfellen vor der Bruſt, mit bloßen Armen, ſchwarzen Geſichtern und glühenden Au⸗ gen, wie ein Haufen Teufel, der aus der Hölle gekommen war. Jan Bake, der Dechant, beinahe eines Halſes und Kopfes länger, als der größte ſeiner Geſellen, und gebaut wie ein Rieſe, befand ſich in der Mitte ſeiner Zunft und hielt dort eine Rede, über welche ſeine Leute vor Wuth die Fäuſte ballten, und welche ganz geeignet war, um


