106 Jakob von Artevelde.
daß faſt täglich blutige Kämpfe in den Schenken vorfielen und man einander aus Eiferſucht in buchſtäblichem Sinne todtſchlug.
Dieſer Zuſtand betrübte Artevelde auf das Höchſte. Er vervielfältigte ſich gleichſam und arbeitete Tag und Nacht, ohne Raſt und Ruhe, um ſeine Vaterſtadt zu beſchützen vor dem Unglücke, das ſie bedrohte, und zu gleicher Zeit die Anſchläge der Leligerds in den anderen Gebieten Flanderns zu vereiteln. So lange die kleinen Gilden ſich von dem Zwiſte fern gehalten hatten, war es ihm gelungen, durch Hülfe der anderen Bürger einen entſcheidenden Zuſammenſtoß zwiſchen den Webern und Walkmüllern zu verhindern; als aber nun das dritte Glied der Gemeine ſich auch mit Wuth gegen die Weber erklärt hatte, ſchwand der letzte Schein von Macht oder Anſehen, welches die Obrigkeit der Gemeine ſich noch erhalten. Alle Bürger von Gent ohne Ausnahme ge⸗ hörten zu einer der Gilden, mochten ſie ſelbſt Kaufleute oder Handwerker ſein, oder, um die Vorrechte derſelben zu genießen, ſich in die eine oder andere haben aufneh⸗ men laſſen. Demzufolge hatte der herrſchende Haß die Gemüther aller Einwohner angeſteckt. Jeder hielt es für Pflicht, ſeine Zunft eifrig zu vertheidigen, und Niemand wollte mehr auf die Stimme der Regierung horchen.
Endlich war es ſo weit gekommen, daß man öffent⸗ lich in der Stadt von einem bevorſtehenden Aufruhre der Walkmüller zu ſprechen begann, welche nichts Geringeres drohten, als die Häuſer der Weber zu plündern und, wer ihnen Widerſtand leiſtete, zu ermorden. Bereits ſah man
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