96 Jakob von Artevelde.
Eine heftige Erſchütterung ergriff Lieven. Er fand nicht die Kraft zu reden, ſondern lehnte ſich mit dem Haupte an die Bruſt ſeines Vaters, während Thränen der Dankbarkeit und der Freude aus ſeinen Augen rollten.
Nach einer kurzen Pauſe ſagte Artevelde:
„Lieven! wollen wir die arme Veerle länger auf die gute Nachricht warten laſſen?“
„O, nein! nein!“ rief der Jüngling gerührt. „Kommt, kommt!“— Sich dann wieder zu ſeinem Vater wendend, ſagte er mit liebevollem Blicke:
„Vater, ich kehre gleich wieder, um Dir, wie es ſich gebührt, für dieſe unerwartete Wohlthat zu danken. Aber Veerle, Veerle muß erſt getröſtet und erfreut werden.“
Mit dieſen Worten zog er den Oberhauptmann nach der Thür.
Nachdem Artevelde noch einen freundlichen Gruß mit dem Oberdechanten gewechſelt hatte, folgte er dem un⸗ geduldigen Lieven und verließ das Haus.
Geergert Denys ſah ihnen eine Zeit lang nach und kehrte dann in ſein Zimmer zurück, wo er mit ſpötti⸗ ſchem Lächeln auf und ab wandelte und endlich zu ſich ſelbſt ſagte:
„Ha, ha! man meint mich in ſolchen dummen Stri⸗ cken zu fangen. Als man mich ſchwach wähnte, blickte man hochmüthig auf mich herab. Jetzt, da man meine Macht nicht mehr leugnen kann, ſucht man mich durch
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