Teil eines Werkes 
5 (1849)
Entstehung
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Jakob von Artevelde. 17

theil bringen können. Ich habe viel gehört und geſehen, viel gelitten und ausgeſtanden, und doch niemals über meinen Vater geklagt, weder gegen Mher Artevelde, noch gegen Veerle, noch gegen irgend Jemand ſonſt. Wie ſehr ich mich auch bemühe, alle Erinnerung davon aus meinem Geiſte zu verbannen, ich bin überzeugt, daß Du irrſt. Mir kommt es jedoch nicht zu, meinen Vater zu beurtheilen; ich ehre ſeinen Irrthum. Aber daß ich die Hände leihen ſollte zum Falle meines Vaterlandes, daß ich den Helden nicht beſchütze, deſſen Größe Jeden in Erſtaunen ſetzt, deſſen edelmüthige Güte mich mit Bewunderung erfüllt, ſo ſehr kann ich die Seele, die Gott mir ſchenkte, nicht verläugnen. Ich habe den An⸗ ſchlag dem Hauptmanne von Sanct Nikolges entdeckt; indem ich dies that, glaubte ich eine heilige Pflicht zu erfüllen. Dich aber, mein Vater, habe ich ſtets entſchul⸗ digt, wenn der Verdacht ſich gegen Dich erhob. Um ſol⸗ cher Handlungen willen, obgleich ſie vielleicht Deinen Gedanken entgegengeſetzt ſind, kannſt Du mich doch nicht beladen mit der ſchrecklichen Strafe, mit der Du mir drohſt. Der oberſte Richter iſt Gott; er würde Dein un⸗ gerechtes Urtheil aufheben.

Während Lieven mit würdiger, doch ehrfurchtsvoller Gelaſſenheit und mit freundlicher Stimme dieſe Worte ſprach, lief der Oberdechant murrend im Zimmer auf und ab, wie Jemand, der einer läſtigen Ueberzeugung entgehen will. Er fühlte ſich tief verwundet durch die ſanfte Rede ſeines Sohnes, welche ihm nicht die Mittel darbot, wie er es gewünſcht hatte, in heftige Vorwürfe Jakob von Artevelde. V. 2