18. Jakob von Artevelde.
und Verfluchungen auszubrechen, und durch welche ſich Lieven wahrlich über ſeinen Vater erhob, ſo hoch nam⸗ lich die gelaſſene Rede über der blinden Leidenſchaft ſteht.
Nachdem er eine Zeit lang ſtumm im Gemache auf⸗ und abgewandelt war, blieb Geergert Denys vor ſeinem Sohne ſtehen und ſagte mit ganz anderem Tone:
„Nun denn! der Verrath iſt einmal geſchehen, und im Nothfall könnte ich dieſe Handlung vergeſſen; aber unſer gegenſeitiges Verhältniß kann nicht ſo bleiben. Meine Freunde fliehen und fürchten mich; ich verliere alle Achtung und Einfluß, weil man mich im Verdacht hat, ich wolle mich durch Dich mit Artevelde verſoͤhnen...“
„Achl wie würde ich Gott danken, wenn dieſer Ver⸗ dacht gegründet wäre,“ rief Lieven eifrig.
„Mich mit Artevelde verſöhnen!“ ſpottete der Ober⸗ dechant bitter;„mit ihm, der mich meines Rechtes be⸗ raubt hat, mit ihm, der mich unter ſeinem Hochmuth gebeugt hält! Cher riſſe ich mir das eigene Herz aus der Bruſt, um es zwiſchen zwei Steinen zu zerſchmettern. Nein, nein! Der Streit zwiſchen mir und dem Tyrannen iſt nicht zu Ende; ſo lange mir noch ein Tropfen warmes Blut durch die Adern fließt, ſoll er wiſſen und fühlen, daß ich lebe. Fortuna's Rad hat mich niedergeworfen; aber dieſes Rad dreht ſich immer und bringt ſelbſt die Schwächſten wieder empor. Er fürchte die Wendung; er ſoll erkennen, wie ſie ſchmeckt, die Galle, die jetzt Jahre lang ſich in meiner zuſammengepreßten Bruſt geſammelt hat; er ſoll zu meinen Füßen kriechen, vergeblich um Gnade flehen für ſich ſelbſt, für Alles, was ihm theuer


