Teil eines Werkes 
4 (1849)
Entstehung
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Jakob von Artevelde. 113

Angſt und Schrecken, und ſtanden mit pochendem Her⸗ zen da. Obwohl ſie nicht verſtehen konnten, was Ghel⸗ noot zu dem Oberhauptmann ſagte, ſo ſahen ſie doch ein, daß er eine ſchlimme Nachricht gebracht haben müſſe. Sobald Artevelde daher auf ſie zuſchritt, fielen ſeine

Gattin und ſeine Tochter ihm weinend und klagend um

den Hals und fragten ihn, was Ghelnoot geſagt habe. Aber ganz verwirrt, antwortete er ihnen nicht und winkte der Magd, ihm ſeinen Sohn zu reichen. Er betrachtete eine Weile nachdenklich das Kind. Zwei Thränen roll⸗ ten ihm aus den Augen und fielen glänzend auf die Stirn des jungen Philipp, als ob mit denſelben die Seele des Vaters ausgezogen ſei, um unter dem Schä⸗ del des Kindes fortan zu wohnen. Dann ſchloß er die Tochter, die Gattin und den Freund in die Arme und blieb ſo ſprachlos ſitzen.

Plötzlich ſprang Ghelnoot van Lens wieder in die Höhe und rief mit ſchneidender Stimme, während er mit dem Finger nach oben zeigte:

Horcht, da ſind ſie ſchon, Oberhauptmann! Mher Jakob, Mher Jakob! um Gottes willen!

Artevelde richtete das Haupt empor und hörte in der That ein fernes Geräuſch, wie von einer wüthenden See von Menſchen, deren hohle Wogen nach ſeinem Kerker herabbrauſten. Er warf nochmals die betrübten Blicke auf ſeine jammernde Familie und auf ſein Kind; dann ſagte er:

Ach! die Verſuchung iſt groß; aber doch, Artevelde ſoll bleiben, was er iſt!

Jakob von Artevelde. IV. 8