102 Jakob von Artevelde.
Als ſeine Familie in ſein Gefängniß trat, war Arte⸗ velde damit beſchäftigt, an einer Tafel etwas auf ein Pergamentblatt zu ſchreiben. Er ſchien ganz in ſeine Arbeit verſunken zu ſein; denn er hörte die Thüre nicht öffnen und ſprang erſt auf, als Veerle ihm das ſüße Wort„Vater“ von fern zurief.
Ein heller Ausdruck der Freude überſtrahlte das Geſicht des Oberhauptmanns. Er drückte ſeine Tochter an die Bruſt und ihr einen langen väterlichen Kuß auf beide Wangen. Dann küßte er ſeine Gemahlin auf die Stirn, ergriff Lievens Hand mit dankbarer Rührung und ſchob eilig einige Stühle ſo zuſammen, daß er vor dem Feuer zwiſchen ſeiner Frau und ſeiner Tochter ſitzen konnte. Lieven ſetzte ſich neben Veerle, etwas dem Ober⸗ hauptmann zugewandt.
Artevelde hatte ſein Söhnchen aus den Armen der Magd genommen und auf ſeine Kniee geſetzt, wo er es küßte und ſtreichelte.
Schon bei ihrem Eintritte hatte Veerle begonnen, ſtille Thränen zu weinen, und jetzt rollten dieſe fort⸗ während in glänzenden Tropfen von ihren Wangen her⸗ ab, obwohl ſie ihre Augen mit ſichtbarer Freude auf das Antlitz ihres Vaters gerichtet hielt.
An ſie wandte Artevelde zuerſt ſein troſtreiches Wort, während der kleine Philipp ihm mit den Händchen im Geſicht ſpielte:
„Stets ſo betrübt, meine arme Veerle! Ich begreife es: Du vergießeſt Thränen, weil Du mich ſo zärtlich liebſt, nicht wahr? Du beklagſt das Geſchick Deines
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