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Jakob von Artevelde. 93
„Kindiſche Liſt!“ rief Calevoet.„Sie meinen, die Schöffen werden ſich in ſolchen dummen Stricken fangen laſſen, und geſetzt auch, dem wäre ſo, haben wir in Gent nicht muthige Männer genug, um uns anzuführen? Man ſtelle nur einmal den Oberdechanten an unſere Spitze, und wir werden die Abweſenheit von Artevelde gar nicht bemerken!“
„Mher Denys!“ ſpottete der Fleiſcher.„Noch ſchö⸗ ner! Seit wann iſt der denn ein Kriegsheld geworden?“
Sobald Lieven den Namen ſeines Vaters hörte und bemerkte, daß Viele die Augen auf ihn richteten, verließ er den Haufen und ſetzte ſeinen Weg fort, das Gehörte überdenkend. Wie ſehr er auch wünſchte, ſich ſelbſt einige Hoffnung hinſichtlich Artevelde's Befreiung machen zu können, ſo mußte er ſich doch im Herzen bekennen, daß ſich nichts verändert habe. Wohl bemerkte er an den Ausrufungen der Zunftgenoſſen, daß der größte Theil des Volkes dem Oberhauptmanne zugethan ſei und ſei⸗ nen Fall beklage; wohl ſah er mit Freuden, daß aus allen anderen Städten Flanderns große Schaaren von Männern gekommen waren, um ihre Anhänglichkeit an Mher Jakob zu bezeigen; aber er wußte gleichfalls, daß im Schooße des Schöffenrathes viele Stimmen ſich gegen den Oberhauptmann erklärt hatten, und daß ſeine Ver⸗ urtheilung unfehlbar ſei, wenn man dem allgemeinen Gerüchte Glauben ſchenken dürfe. Die Nachricht von der Ankunft der Franzoſen allein war im Stande, ihm einige Zuverſicht zu geben, da er aus gegründeten Urſachen er⸗ warten konnte, daß man Artevelde bitten würde, ſein


