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Die hölzerne Clara / von Hendrik Conscience. Aus d. Fläm. von O. L. B. Wolff
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Die hölzerne Clara. 75

Nerven erſchütterte, denn was hier vorgehen ſollte, verſprach ihr einen Himmel des Glückes und der Seligkeit. Arme Frau! In ihrem Herzen glühete wie eine verzehrende Flamme das grenzenloſe, das unwiderſtehliche Gefühl der mütterlichen Liebe; ein Kind nur hatte der Himmel ihr ge⸗ ſchenkt, acht Jahre lang hatte ſie getrauert und geſchmach⸗ tet, ſie hatte Unfrieden und Trauer um ſichher verbreitet— aus Liebe zu ihrem armen und verlaſſenen Kinde allein hatte ſie gleich einer Märtyrerin gelitten. Es iſt wahr, ſie hatte ſeit einiger Zeit eine Belohnung für ſo viel Schmerz gefunden: ſie hatte ſich an Clara's Liebkoſungen, ihren Küſſen, ihrem Lächeln gelabt;— leider jedoch war ſie im⸗ mer noch eine Fremde für ſie: noch war das Wort Mut⸗ ter nicht in ihrem Ohr erklungen! Nun ſollte ſie es hören, dieſes heilige Wort, was wie ein göttlicher Klang das Herz der Frau berührt und es in unſäglicher Freude er⸗ zittern macht.

Kein Wunder daß die tödtliche Stille, die ſie umfing, und die undurchdringliche Finſterniß der fernen Winkel der Hausflur, die auch kein Strahl des ſchwachen Lichts erhellte, auf ihr Gemüth durchaus keinen Eindruck machte; die Er⸗ wartung des feierlichen Augenblickes flößte ihr eine Freude ein, die ſie gänzlich beherrſchte.

Sie ſtand am Fuße der Treppe und blickte empor.

Clara erſchien auf der Schwelle und lächelte der Grä⸗ fin in holder Liebenswürdigkeit zu.

Das Kind war ganz in weißes Linnen gekleidet: ſeine nicht ſehr langen, blonden Haare wallten in kunſtloſen