72 Die hölzerne Clara.
— Habe Mitleid, Ines, es iſt vergebens.
— Mich kümmert die Sache wenig, Senora; ich habe Muth genug und habe zudem mehr als einmal die Spitze eines Dolches geſehen; aber Ihr, Senora, ſollt mir wenig⸗ ſtens das Zeugniß geben, daß ich, die ich mich aus Liebe und Dankbarkeit zu Eurer Sklavin weihete, dieſen unvorſich⸗ tigen, dieſen wahnſinnigen Schritt nicht gebilligt habe. Ich habe Euch abgerathen, nicht wahr?
— Ja, ja, Ines.
— Mit Thränen, mit Beredtſamkeit, mit Zorn ſelbſt, nicht wahr?
— Ja! Ich mache Dich ja auch für Nichts verant⸗ wortlich, Liebe.
— Und Ihr heharrt alſo bei Eurem erſten Entſchluſſe? Ihr wollt um eines höchſtens halbſtündigen Genuſſes wil⸗ len Euer Leben, Euer Ehre gefährden?
— Du ſprichſt faſt leichtſinnig darüber, Ines. Du willſt mich alſo der letzten Seligkeit berauben, die mir viel⸗ leicht auf Erden noch gegönnt iſt? Morgen kehren wir nach Spanien zuruͤck. Wer weiß ob wir die Niederlande jemals wiederſehen werden? Ich ſoll meine Clara verlaſſen ohne daß das Wort Mutter aus ihrem Munde in mein Ohr ge⸗ klungen? Ohne daß ſie weiß warumiich ſie anbete? Ich ſoll wie eine Fremde von ihr gehen, die ſie mit Gleichgültigkeit ihrem Looſe als Dienſtmagd überläßt? Nein, nein, das kann nicht ſein. Ja, ich weiß, Ines, daß Du Recht haſt, daß ich thörigt, daß ich wahnſinnig bin; allein ich würde


