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Die hölzerne Clara / von Hendrik Conscience. Aus d. Fläm. von O. L. B. Wolff
Entstehung
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Die hölzerne Clara. 55

— Ich weiß nicht viel davon, edle Frau. Clara war bereits ungefähr ein Jahr im Mägdehauſe ehe ich als Mutter deſſelben angeſtellt ward.

Von den Vorſtehern und Almoſeniers habe ich vernom⸗ men, daß ſie nach der Verwüſtung eines Dorfes ganz eltern⸗ los geworden, von einem Soldaten aus Mitleid an Kindes⸗ ſtatt angenommen und verpflegt ward. Später iſt ſie auf Fürſprache eines Blutsverwandten des Stifters unſeres Hauſes bei uns aufgenommen worden.— Was mich be⸗ trifft, ſo glaube ich kein Wort von dieſer Geſchichte, die mir immer wie eine Erdichtung vorgekommen iſt, erfunden um Clara's wahre Abkunft zu verbergen.

— Weiß denn aber Clara ſelbſt Nichts von ihren Eltern?

— Alles, deſſen ſie ſich noch unbeſtimmt zu erinnern vermag, iſt, daß ſie in ihrer früheſten Jugend auf einem Dorfe in einem Bauernhauſe wohnte. Und was mich ver⸗ muthen läßt, daß ſie niemals die Sorgfalt und Liebe einer Mutter genoß, iſt, daß ſie ſich aus jener Periode nur mit Klarheit auf ein kleines, buntes Schäfchen, mit dem ſie ſpielte, zu beſinnen vermag.— Dies beweiſt meiner Mei⸗ nung nach! unumſtößlich, daß das Kind entweder keine Mutter hatte oder von derſelben verlaſſen worden war.

Die Gräfin verſank unter dieſer Erzählung in ein tiefes Nachſinnen und ſchien ganz von einem Gedanken beherrſcht zu werden. Die Mutter ſah es wohl und täuſchte ſich auch über die Urſache nicht. Die gute Frau war überzeugt, daß die Gräfin ſie zur Vertrauten eines Geheimniſſes machen