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Die hölzerne Clara. 45
Als das Kind in das Sprachzimmer trat und die Gräfin bemerkte, eilte es auf ſie zu und küßte ihr die Hand.
Ein Zittern durchlief die Adern der Gräfin, doch ſie bezwang ſich und mit Wolluſt blickte ſie ſprachlos in des Kindes blaue Augen. Sie auch hatte Clara's Handchen ge⸗ faßt und ſtreichelte ihr mit der andern Hand vertraulich Stirn und Schulter. Der unbeſtimmte und ſeltſame Blick der Grafin erzeugte in dem Kinde ein unbegreifliches Gefühl; das Lächeln verſchwand von ſeinen Lippen und fragend, als wenn es eine Erklärung erwartet hätte, blickte es der Senora in die Augen. Es ſchien zu ſagen:
— Ich bin von Jedermann geliebt und bevorzugt, aber Ihr liebt mich anders. Wie kommt das? Und warum wünſche ich ſo ſehnlich ſtets bei Euch zu ſein?
Die Gräfin ſchien die ſtumme Frage der Waiſe zu verſtehen:
— Du armes Kind! ſeufzte ſie traurig.
Die Mutter hatte alle Gemüthsbewegungen, die ſich auf dem Angeſicht der Edelfrau abſpiegelten, aufmerkſam ver⸗ folgt und ſie erkannte leicht etwas Gezwungenes, was in ihrem Zuſtande herrſchte, während weder ſie noch Clara Etwas zu ſagen wußten.
— Gräfin, wandte ſie ſich daher an die Senora, laßt uns in das Zimmer gehen, wo die Clavecimbel ſteht. Ihr ſollt hören wie Clara ſpielen kann. Ach es iſt eine köſt⸗ liche Perle von einem Kinde; Schweſter Cathelyne im Fal- conskloſter hat ſie in der Muſik unterrichtet und ſie ſpielt


