46 Die hölzerne Clara.
ſo ſchön, daß man Tage lang ohne zu eſſen oder zu trinken daſitzen und ihr zuhören könnte.
Zwiſchen der Gräfin und Clara mußte bereits ein Band der Liebe und des Vertrauens entſtanden ſein, und ohne Zweifel trieb ein geheimes Gefühl das Kind an in dieſer reichen und mächtigen Frau mehr als eine bloße Be⸗ ſchützerin zu erblicken, denn als die Mutter ſprach:„laßt uns in das andere Zimmer gehen“ hatte die Kleine die Se⸗ nora bereits bei der Hand ergriffen, als wenn ſie ihre Mut⸗ ter geweſen. Dieſe Bewegung, wie einfach auch, ließ die Augen der Gräfin in Freude und Stolz erglänzen und ſie führte Clara an der Hand, wie ſie es mit ihrem eigenen Kinde gethan haben würde.
In dem Zimmer, wo die Clavecimbel ſtand, bot man der Gräfin einen Seſſel an; die Duena ſetzte ſich neben der Mutter auf einen Stuhl und Clara ſtellte ſich vor das Inſtrument.
— Nun, ſprach die Mutter, ſing das Lied:„Mit Freude wollen wir ſingen,“ das hat ein ſo ſchönes Vorſpiel.
Clara begann. Sie mußte für die Muſik ungemein empfänglich ſein; ſchon beim Anfang des Spieles ſchien ſie von Begeiſterung ergriffen zu ſein. Während ihre Finger⸗ chen auf den Taſten dahin liefen, lachte ihr Mündchen den ſüßen Tönen entgegen oder eine leichte Falte auf ihrer Stirn zeigte an, daß ſie eine tiefere Saite berührt hatte.
Voll Bewunderung dieſes zugleich prächtigen und be⸗ zaubernden Spieles, von einem Regen harmoniſcher Töne
überladen, blickten die drei Frauen unverwandt auf die be⸗
geiſterte tete, da gleitung


