Druckschrift 
Die Bürger von Darlingen : Sittengemälde in zwei Abschnitten / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von Dr. C. Büchele
Entstehung
Einzelbild herunterladen

tiniſche Vaſen, ausgeſtopfte Vögel, Früchte von Wachs, Klumpen von metalliſchen Erzen, und wiſſenſchaft⸗ liche Gegenſtände, wie Hohlſpiegel, Vergrößerungs⸗ gläſer und Weltkugeln.

Ein gewöhnlicher Beſucher hätte wahrſcheinlich dieſes Gemach für das Arbeitszimmer eines Mannes, der zugleich Künſtler und Gelehrter war, genommen; aber ein Kenner hätte augenblicklich bei ſich geſagt, er befinde ſich in der Wohnung von einem jener Leute, welche man mit dem Namen von Dilettanten be⸗ zeichnet.

Nachdem die Frau eine Zeit lang in der Stille fortgeleſen hatte, richtete ſie den Kopf in die Höhe und blickte ſtarr vor ſich hin, als überdächte ſie, was das Buch ihr geſagt hatte.

„Er ſpricht wohl die Wahrheit, der weiſe Dichter,“ murmelte ſie.„S'iſt ein Himmel auf der Erde, wo ſich ächte Minne paart. Noch unbezwei⸗ felter wäre jedoch der Sinn ſeiner Worte geweſen, hätte er geſagt: Siſt'ne Höll' auf dieſer Welt, wo man ohne Minne freit.“ Davon iſt wenigſtens meine arme Schweſter Julia, leider, der unwiderſprechlichſte Beweis. Sclavin, Märtyrerin, lebend wie ein Schatten, und ſeufzend vielleicht nach dem Grabe... und ſcheinbar zufrieden und dahin⸗

welkend ohne zu klagen, niedergedrückt durch das un⸗ erbittliche Gefühl der Pflicht... Arme Julia, hätten unſere Eltern gewußt, was ſie thaten! Ach, ſie hät⸗ ten Dich nicht verheirathen ſollen, ohne Liebe; ſie hätten Dich nicht zur Braut einem gefühlloſen Mann hingeben ſollen, der aus Selbſtſucht Dir die Rechte der Gattin verweigert und Dich nur als Dienſtmagd be⸗