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„O, Himmel, ich kenne ihn nicht!“ ſeufzte Her⸗ mina.
„Er iſt erſt achtunddreißig Jahre alt,“ ſagte Thereſe mit geheimem Spott.
„Du kennſt ihn nicht? Deſto beſſer, mein Kind,“ bemerkte der Vater.„Liebſt Du vorderhand ihn nicht, ſo kannſt Du doch auch keine Abneigung gegen ihn fühlen.“
„Nein, nein, Vater, ich will nicht heirathen, ich will nicht heirathen. Bei Euch will ich bleiben.“
„Hermine!“ ſprach der Vater mit ſcharfer Stimme, deren bloßer Ton das Mädchen zittern machte.„Her⸗ mine, Du weißt, daß ich nicht leicht von einem ein⸗ mal gefaßten Beſchluß zurückkomme. Hier ſteht die Würde und Erhöhung unſerer Familie auf dem Spiel. Warum Dich ungehorſam zeigen und vergeblich gegen Etwas ſträuben, das, wie Du ſelbſt weißt, unwider⸗ ruflich iſt?“
Jetzt brach das Mädchen in einen Strom von Thränen aus und warf ſich ihrer Mutter um den Hals, während ſie ſchluchzend ausrief:
„Mutter, hilf mir, hilf mir! Ich einen Menſchen heirathen, welchen ich nicht kenne? O, ich flehe Dich an, ſuche den grauſamen Spruch zu hintertreiben. Ich bin noch zu jung; der Gedanke an dieſe Heirath erfüllt mich mit tödtlichem Schrecken!“
Madame Romys war bleich und ihre Augen er⸗ glänzten von zurückgefallenen Thränen; unter dem drohenden Blick ihres Gatten ſchien ſie noch heftiger erſchrocken, als ihre Tochter. Sie flüſterte faſt un⸗ hörbar:
„Hermine, meine arme Hermine, faſſe Muth,


