iſt ein Stück Zitz von zwölf Ellen. Damit kann man eine Frau neu vom Kopf bis zu Fuß klei⸗ den. Sophie, es iſt ein Geſchenk für Deine blinde Schweſter...“
Wie Hermina vorausgeſagt hatte, ſprangen Thränen der Rührung und Dankbarkeit der alten Dienſtmagd über die Wangen. Kaum vermochte ſie, einige erkenntliche Worte zu ſtammeln.
„Da, meine gute Sophie,“ ſagte das Mädchen, „nimm die ganze Schachtel. Es iſt noch Etwas darin. Mein Onkel Jan, der niemals Etwas halb thut, wenn er Jemand eine Freude machen will, hat auf den Boden der großen Schachtel ein ſehr kleines Schächtelchen geſtellt. Darin wirſt Du das nöthige Geld finden, um die Kleider machen zu laſſen.“
Tief bewegt, beſonders durch dieſe letzte Gabe, welche es ihr vielleicht möglich machte, den Unter⸗ halt ihrer blinden Schweſter zu bezahlen, küßte So⸗ phie Hermina's Hände und verließ dann, in Folge ihrer Erregung mit wankenden Schritten, das Zim⸗ mer mit der ganzen Schachtel unter dem Arme.
„Was wird der Vater ſagen, wenn er die unbe⸗ greifliche Geldverſchwendung erfährt!“ brummte The⸗ reſe in ſich hinein.„Es iſt eine Schande. So thö⸗ richt, ſo leichtſinnig mit dem Erbgut der Familie umzuſpringen!“
Madame Romys trat, gerührt durch die Freude der Dienſtmagd, auf Hermina zu und umarmte ſie.
„Nun, mein liebes Kind,“ ſprach ſie,„ſage uns, wie haſt Du Dich während der ſechs langen Wochen Deiner Abweſenheit unterhalten? Ich war unruhig,
weil Du die Zeit Deiner Rückkehr auf vier Tage


