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Die Bürger von Darlingen : Sittengemälde in zwei Abschnitten / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von Dr. C. Büchele
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II.

Sophie, die Magd, ſaß in der Küche an einem Tiſche und war damit beſchäftigt, Rüben zu ſchaben. Von Zeit zu Zeit trat ihr eine Thräne in die Augen, und ſie blickte zuweilen in traurigen Gedanken zu Boden. Es war ſo ſtill in dem Hauſe, daß die Seufzer der alten Frau, obwohl ſehr leiſe ausge⸗ ſtoßen, ihr ſelbſt ſo vernehmlich wurden, als ob der beklemmte Buſen ſich in heftigem Schluchzen Luft gemacht hätte.

Die Thüre ging ſachte auf und eine Frau trat herein. Sie ſtreckte den Kopf noch einmal in den Hausgang zurück, um zu ſehen, ob ihr Niemand ge⸗ folgt wäre, ſchloß hierauf die Thüre und ſprach mit gedämpfter Stimme zu der Magd:

„Nun, Sophie, Du mußt nicht weinen. Der Zorn von Herrn Romys wird wohl vorübergehen— und Du kannſt immer noch bleiben.“

„Ja, Frau,“ antwortete die Magd,„ich kann wohl bleiben, aber der Herr zieht mir für das Zer⸗ brechen einer alten Suppenſchüſſel, die ſchon ſeit vie⸗ len Jahren zerſprungen war, fünfundzwanzig Francs ab. Ich werde zwei Monate lang gar keinen Lohn empfangen...“

„Er wird auch von dieſem Vorſatz zurückkommen, Sophie; ſei doch guten Muthes.“

„Ich wage es nicht zu hoffen,“ ſeufzte die Magd mit ſtillen Thränen;„der Herr hat mir erſt dieſen Morgen erklärt, daß Nichts auf der Welt ihn bewe⸗ gen könnte, meine Schuld um einen einzigen Franc