„Wir wollen ſehen,“ antwortete Thereſe.„Es wird von dem Betragen meiner Schweſter und von Deiner Strenge gegen ihren Leichtſinn abhängen.“
Man hörte unten eine rauhe Stimme ſich im Tone eines zornigen Ausbruchs erheben. Dieſe Stimme mußte einen mächtigen Eindruck auf die alte Frau machen; denn ſie erbleichte und begann zu zittern. Die Thüre des Zimmers wurde heftig aufgeriſſen; ein Mann erſchien auf der Schwelle und blieb eine lei Weile mit vorwurfsvollem Blick vor den Frauen
ſtehen.
Bonifacius Romys, der Herr des Hauſes, war von ziemlich hoher Geſtalt und noch kräftig für ſein Alter, obwohl ſeine Haare durch ihre ſchneeweiße Farbe Zeugniß ablegten, daß er in ſeinem Leben manche Sorge gehabt haben mußte. Sein Geſicht, blaß und matt, bot nichts Beſonderes in ſeinen Zügen, außer etwas dünne Lippen und kleine graue Augen, die gleich Feuerfunken zu leuchten ſchienen. Er trug ſehr feines und reinliches Weißzeug, eine große Dia⸗ mantnadel auf der Bruſt und einen Diamantring an der linken Hand. Das Uebrige ſeines Anzugs war faſt unſauber und ziemlich nachläſſig; ſein Hut war ſogar durch die Länge der Zeit roth und an der Krempe ſichtbar fettig geworden.
Nachdem er einen zornigen Blick auf die Frauen geworfen hatte, fiel er mit wüthender Geberde gegen ſie aus.
„Es iſt um aus der Haut zu fahren,“ rief er. „Was thut Ihr hier den ganzen Tag? Schwatzen und plappern, Kleider für Kinder von Leuten machen,
welche ihren Taglohn im Wirthshauſe vertrinken!...“
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