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Die Frau ſtieß einen Seufzer aus und ſchien er⸗ ſchrocken. Nach einigem Stillſchweigen ſagte ſie:
„Hermina ſollte nicht mehr zu meinem guten Bruder gehen dürfen? Er iſt ihr Pathe, Thereſe; ſie iſt in ſeinem Hauſe bis zu ihrem vierzehnten Jahr erzogen worden. Wir ſind mit ihm übereingekommen, daß Hermina jedes Jahr ſechs Wochen bei ihm zu Schärbeek bleiben darf. Er hat ſie ſo lieb, wie ſein eigenes Kind; er wartet zehn Monate lang auf ihre Ankunft. Und Du wollteſt ihm nun Etwas entziehen, was er als ſein größtes Glück anſieht? Und ihre Tante, meine arme Schweſter Marie, wollteſt Du ihr dieſen Verdruß anthun? Ach, ich bitte Dich, ſei nicht ſo grauſam gegen Deine Schweſter!“
Während ſie dieſe Worte ausſprach, hatte ſie flehend ihre Hände zu der Tochter emporgehoben.
„Deine übertriebene Liebe zu Hermina führt Dich irre,“ antwortete das Fräulein.„Müßte auch Etwas gethan werden, Mutter, was mir nur unangenehm ſein könnte, ſo ſollte es Dich doch nicht alſo erſchrecken. Der Vater, welcher mehr Einſicht hat, als wir, ſagte gleichfalls, Hermina ſollte nicht mehr nach Schärbeek gehen.“
„Hat er das geſagt?“ rief die Frau.„O, The⸗ reſe, die Du Alles über den Vater vermagſt, rede ihm doch dieſen Gedanken aus dem Kopfe!“
5 Ein doppelter Laut der Glocke ertönte durch das Haus.
„Da iſt der Vater,“ ſagte die Tochter.
„Willſt Du zu Hermina's Gunſten ſprechen? Ich werde Dir dankbar dafür ſein,“ bat die Dame. Conſcience, Die Bürger v. Darlingen. 2


