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Die Bürger von Darlingen : Sittengemälde in zwei Abschnitten / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von Dr. C. Büchele
Entstehung
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Das ganze Zimmer zeigte, daß bei ſeiner Aus⸗ ſchmückung keineswegs der gute Geſchmack zu Rath gezogen worden war; daß vielmehr ſeine Bewohner nur den Zweck vor Augen gehabt hatten, ſich auf möglichſt wohlfeile Weiſe mit Gegenſtänden, welche ein Anſehen von Alterthum hatten, zu umgeben.

Da die dunkeln Rouleaux der Fenſter beinahe ganz herabgelaſſen waren, ſo drang das Tageslicht nur mit Mühe in das Gemach, und Alles wirkte zu⸗ ſammen, um es zu einem düſtern und traurigen Auf⸗ enthaltsort zu machen.

Lange Zeit blieb die alte Frau an ihrer Arbeit ſitzen, ohne ſich von der Stelle zu rühren. Nur ein⸗ mal hatte ſie die Augen langſam im Zimmer herum⸗ gehen laſſen, gleich einem Gefangenen, der ſeinen Kerker abmißt, mit der Gewißheit, daß er ihn nie mehr verlaſſen wird; aber wahrſcheinlich war ſie bei dieſem matten Herumſtarren gedankenlos geblieben, denn ihr Geſicht verrieth keine Erregung.

Es war ſo ſtill in dem Zimmer, in dem Hauſe, auf der Straße, daß man ein Mäuschen hätte laufen hören.

Endlich krachte die Treppe unter den Schritten von Jemand, der in dieſes Stockwerk heraufſtieg, und in der That, die Thüre wurde geöffnet. Ein Fräulein trat ein, wandte ſich nach dem Fenſter und ſetzte ſich an einen Tiſch, der zum Theil mit Klei⸗ dungsſtücken beladen war, welche ohne Zweifel für Kinder, und wohl für arme Kinder beſtimmt ſein mußten; denn ſie waren von groben Stoffen und ſehr klein von Maaß. Eine wollene Jacke ergreifend,