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Die Bürger von Darlingen : Sittengemälde in zwei Abschnitten / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von Dr. C. Büchele
Entstehung
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8 ren vielleicht nicht abgeputzte oder angeſtrichene Fa⸗ gade, die verſchloſſenen Fenſter, das Gras vor der Thüre, Alles gab ihm ein kaltes und verlaſſenes Ausſehen.

An einem der erſten Sommertage des gemelde⸗ ten Jahres ſaß eine Frau einſam und ſchweigend, mit Stricken beſchäftigt, in einem großen, obern Zim⸗ mer dieſes Hauſes. Ihre Kleidung war beinahe ganz ſchwarz, ſo einfach und jeder Verzierung bar, daß ſie von großer Sparſamkeit, wo nicht von Nach⸗ läßigkeit zeugte. Auf ihrem Angeſicht lag ein An⸗ flug paſſiver Langerweile und ſtillen Verdruſſes; Etwas, das Herzensgüte, aber zugleich eine ausneh⸗ mende Muthloſigkeit anzudeuten ſchien. Die Frau mußte, obwohl ihre Wangen von Runzeln gefurcht waren und ihr Haupt grau zu werden begann, in ihrer Jugend ſchön geweſen ſein, denn ihre Züge waren regelmäßig und fein und bewahrten noch Spuren früherer Reize.

Das Gemach, worin ſie ſich befand, war mit dunkelgrünen Papiertapeten ausgeſchlagen, deren große Blumen hie und da durch Alter oder Feuchtigkeit der Wände beinahe verblichen waren. Die Stuühle, ſchwer und wurmſtichig, trugen noch Zeichen früherer Vergoldung; der Utrechter Sammet, womit ſie über⸗ zogen waren, hatte keine erkenntliche Farbe mehr. Auf dem Kamingeſimſe ſtand zwiſchen zwei ſchweren Vaſen von buntem Porcellan eine kupferne Uhr, groß und häßlich von Form, aber ſehr alt. Zwei oder drei Gemälde ohne den mindeſten Kunſtwerth hingen an der Wand; Tiſch und Kommode waren von Eichenholz.

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