daß die Bewegung allmälig abnahm und, je mehr man gegen die Mitte der Stadt vordrang, in eine auffallende Stille überging.
Es waren breite ſchone Straßen, mit vielen großen Häuſern, worin augenſcheinlich ſehr reiche Leute wohn⸗ ten. Die Facaden dieſer Hauſer, ſeit Jahren nicht angeſtrichen, ſahen grau⸗ und unſauber aus; die mei⸗ ſten Fenſter daran waren durch holzerne Laden ver⸗ ſchloſſen, und die Stufen waren mit Gras bewach⸗ ſen, das als dichter Raſen ſich bis mitten in die Straße ausdehnte. Nur dann und wann gewahrte man hier einen Vorübergehenden; es war ſo ſtill und öde, als ſchliefe Jedermann den Tag über. Nichts hörte man, als das Anſchlagen und Gelaute von Glocken, das zu gewiſſen Stunden aus allen Gegenden der Stadt ſich erhob. Außerhalb des Fabrikviertels, welches man das Armen⸗Quartier zu benennen pflegte, war es faſt überall eben ſo ſtill und einſam.— Auch genoß Darlingen des doppel⸗ ten Ruhmes, eine ungewöhnlich reiche, und zugleich eine ungewöhnlich langweilige Stadt zu ſein.
Die Gründe davon ſind ſonderbar genug, um eine Erklärung zu verdienen. In Darlingen waren damals die wohlhabenden Leute in zwei Parteien getheilt, welche mit großer Eiferſucht einander gegen⸗ über ſtanden und ſich gegenſeitig haßten und ver⸗ achteten. Die eine Partei beſtand aus den Bewohnern der großen geſchloſſenen Häuſer. Obwohl von Eltern ſtammend, welche durch Handel mit Dungſtoffen, Eichenrinde, Getreide, Oel, oder durch Brauerei und Gerberei den Grund zu ihrem Reichthum gelegt hatten, dachten dieſe Leute ſich doch unendlich erhaben


