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Der Bauernkrieg (1798) : historischer Roman / von Hendrik Conscience
Entstehung
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die Wilden hoffen auf ein beſſeres Leben. O furchtbares Räthſel!“

Simon⸗Brutus ſetzte dieſe Gedanken noch eine Zeit⸗ lang fort. Seine Seele war ſichtlich im Kampfe mit ſeinen ungläubigen Grundſätzen und ſuchte in ſeinem Geiſte den Begriff einer fernern Zukunft zu beleben. Wie oft aber auch die Gedanken des Verurtheilten ihn zu dieſer Vorſtellung zurück führten, ſein Hochmuth ver⸗ trieb ſie jedes Mal wieder.

Endlich ſchienen ihm andere Gedanken durch deu Kopf zu ziehen. Er fuhr mit leiſer Stimme fort:

„Es iſt wunderbar, wie der nahe Tod mir Alles klar und deutlich vor Augen zaubert. Er iſt ein Spie⸗ gel, worin wir uns ſelbſt und Alles, was wir haſſen oder lieben, ſehen können, von der Wiege bis zum Grabe! mein armer Vater! Ich verurſachte ihm nichts als Schande und Verdruß... und er, er hatte ſein Leben geopfert, um mich glücklich zu ſehen. Wird er meinen Tod beweinen oder ſich an der Vernichtung deſſen wei⸗ den, der ſein Leben vergiftet hat? Genoveva, auch dieſer brachte ich Kummer und Schmerz... Ach, ich habe alles für das große Werk geopfert... Meine un⸗ glückſelige Pflicht, meine tiefe Ueberzeugung fand euch alle zu leicht in der Schaale, um die Befreiung einer ganzen Welt, die Erbebung einer gebeugten Menſchheit aufzu⸗ wiegen... Könnt' ich meinen alten Vater noch ein Mal ſehen, ihn umarmen, ihm ſagen, daß im Grunde meines Herzens immer ein tiefes Gefühl der Liebe für ihn ruhte!“

Er fuhr ſich mit der Hand über die Stirne, um ſeine düſtern Gedanken zu verſcheuchen. Nach einigen Augenblicken ſprang er auf und rief mit lauter Stimme und bitterem Lachen:

„Simon, Simon, ſollte der Gedanke des Todes Dich zum Feigling machen? Dich, der hundert Mal ſein Leben den Kugeln und der Guillotine ohne Bangen