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Sie unterdrückte ihre Rührung und ging zu den Verwundeten, die am weiteſten von Bruno entfernt waren. Zu jedem ſprach ſie einige tröͤſtende Worte; aber ſo ſtill, daß der Sergeant nichts davon hören konnte, als ein leiſes und dumpfes Gemurmel. Sie labte die Schwächſten mit einem Schluck Wein, gab den Hungrigen etwas Brot und Fleiſch und legte den Ver⸗ band einiger Verwundeten beſſer an.
Der Sergeant, der mit der Lampe an der Thüre ſtehen geblieben, murmelte in ſich hinein:
„Das edle ſchöne Mädchen! Sie könnte Chirurg des Bataillons werden! Wie ſie mit dem Verbande um⸗ zugehen weiß!“
Je näher die liebevolle Schweſter der Ecke kam, wo
ſich Bruno befand, deſto unruhiger wurden ihre Bewe⸗ gungen. Der Sergeant glaubte ſogar zu bemerken, daß ſie zitterte; ſie ſchien ihm bei ihrem Eintritt nicht ſo blaß geweſen zu ſein, wie jetzt; er glaubte jedoch, daß das Erſte in dem Mitleiden, das zweite in dem gelben Schein der Lampe ſeine Urſache habe.
Als die Nonne einen Schritt machte, um näher zu Bruno zu kommen, ſagte der Sergeant zu ihr:
„Schweſter, laßt den Kerl in Ruhe. Das Feuer hat ihm das Gehirn verbrannt: er iſt wahnſinnig und würde Euch doch nicht verſtehen. Den ganzen Tag hat er weder gegeſſen, noch getrunken, noch geſprochen. Er
wird der glücklichſte ſein; er wird ſterben, ohne es zu
wiſſen.“ Aber die Nonne ſchien dieſe Bemerkung nicht zu
beachten; ſie ging zu dem Jüngling, beugte ſich zu ihm
herab, nahm ſeinen Kopf, der mit Tüchern umwunden war, zwiſchen ihre Hände und ſprach einige Worte in ſein Ohr. 3 Bruno, wie von einem furchtbaren Schlag getroffen, ſprang zitternd auf und rief: „Veva, Veva!“
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