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In dem Unmaaße ſeines Schmerzes trank er mit verzweifelnder Wolluſt an dem Kelch des Leidens. Er hatte ſich von ſeiner Umgebung abgeſondert und man konnte leicht glauben, er ſei irrſinnig. Aber während er ſchwei⸗ gend und bewegungslos an der Wand ſaß und ſtarr in das Stroh blickte, blieb ſeine Seele wach und malte ihm aufs Neue das ſchreckliche Unglück vor, das ihn getroffen. Dies Alles zog in lebendigen Bildern an ſeiner Seele vorüber, als ob es noch einmal geſchähe.
So hörte er die Soldaten ſeiner Wohnung auf dem Hofe Feuer geben, er ſah eine Anzahl Kugeln die Bruſt ſeines Vaters durchbohren; er ſah das Blut fließen; er zitterte vor Wuth und Verzweiflung, als er die Leiche ſeines Vaters in das ſchlammige Grab werfen ſah. Plötz⸗ lich aber führte ihn ſeine Einbildung nach Herenthals und vor das Haus, wo er ſeine Mutter und Genoveva gelaſſen hatte. Die Flammen wirbelten himmelhoch über die Straßen, Alles krachte, heulte und jammerte rings umher, aber mitten in all dieſem Lärm, in dieſem furcht⸗ baren Sturm unterſchied er die Stimme ſeiner Mut⸗ ter, die Stimme Genovevas. Sie riefen um Hülfe und ſein Name ertönte mitten aus den Flammen.... er konnte innerhalb der Mauern der brennenden Wohnung ſehen, wie ſeine Mutter und Genoveva mit fliegenden Haaren in der Feuergluth umherliefen, einander in der Verzweiflung umarmten und mit einem Blick zum Himmel unter dem einſtürzenden Gebäude zerſchmettert wurden .... dieſe und noch andere Schreckensſchauſpiele zauberte ihm ſeine aufgeregte Phantaſie vor den wirren Blick, um einige Augenblicke ſpäter das furchtbare Schanſpiel auf's Neue zu beginnen.
Das Leiden des Jünglings mußte unſäglich ſein; kein Wunder deßhalb, daß die ſchrecklichen Bilder ihn der Welt enthoben und er wie verſteint und irrſinnig in den Abgrund der Marterpein geſtürzt ſchien.
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