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Der Bauernkrieg (1798) : historischer Roman / von Hendrik Conscience
Entstehung
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Bruno ſaß in der fernſten Ecke, den Rücken an die Wand gelehnt; der Kopf hing ihm bleiſchwer auf die Bruſt herab, ſeine Arme lagen ſchlaff auf ſeinen Knieen. Man konnte nicht ſehen, ob er wachte, oder ſchlief, denn ſeine Augen waren halb geöffnet, aber ſo bewegungslos und ſtarr auf das Stroh gebeftet, daß nichts in ihm ei⸗ nen Reſt von Leben oder Aufmerkſamkeit verrieth.

So ſaß der unglückliche Jüngling ſchon viele Stun⸗ den ohne die geringſte Bewegung da. Auf alles, was ihm geſagt worden, auf tröſtende Worte oder höhnende Drohungen, hatte er nichts geantwortet, oder nur durch einen geduldigen Blick ſeine Unempfindlichkeit an den Tag gelegt.

Alle Gefangenen, ſowohl die Verwundeten, die ſich hier im Wachhaus befanden, als die Andern, welche auf dem Markte lagen, wußten, daß ſie verurtheilt waren, beim Anbruch des Tages erſchoſſen zu werden. Das Ur⸗ theil war ihnen mit den Gründen vorgeleſen worden.

Vielleicht brachten viele der Gefangenen die Nacht in Angſt und banger Sorge zu und träumten in ihrem Kummer von dem jungen Leben, von der Heimath, von CEltern, Freunden und Freundinnen, die ſie auf ewig ver⸗ laſſen ſollten. Die Furcht vor dem Tode, wenn er lang⸗ ſam und ſichtbar naht, iſt dem Menſchen ſo natürlich, daß der Muthigſte ſelbſt dieſe angeborene Luſt am Leben nicht ganz unterdrücken kann.

Die Gewißheit des Todes war jedoch für Bruno nicht der Grund ſeiner Niedergeſchlagenheit. Er hatte ſeine eigne Verurtheilung vergeſſen: furchtbarere Schlan⸗ gen wühlten in ſeinem Herzen.... Sein Vater er⸗ mordet, ſeine Mutter und ſeine Freundin zu Aſche ver⸗ brannt, ſeine Heimath in Sklaverei geſtürzt, Unglaube und Gottloſigkeit ſiegreich! Alles war für ihn verloren, er ſtarb gerne; denn auf Erden hatte man ja vernich⸗ tet, was er liebte; er ſah nichts mehr auf der Welt, als was er haßte und verabſcheute....