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Der Bauernkrieg (1798) : historischer Roman / von Hendrik Conscience
Entstehung
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„Qui vive?“ ſchrie die Schildwache.

Der alte Mann nahm ſeine Mütze vom Kopfe, verbengte ſich vielmal und grüßte den Soldaten mit allerlei demüthigen Geberden.

„Qui vive?“ rief dieſer nochmals.

„Gut Freund,“ antwortete der Bauer, mit lang⸗ ſamen Schritten ſich dem Adler nähernd.

Der Soldat murmelte etwas in den Bart und ließ den Bauern näher kommen. Als dieſer jedoch vorüber⸗ gehen wollte, um in den Adler zu treten, hieß die Schild⸗ wache ihn ſteben, hob den Kittel auf und betaſtete ihn am ganzen Leibe; als ſie aber nichts fand, was Arg⸗ wohn erregen konnte, brach ſie in ein langes, ſchallendes Gelächter über die ſonderbaren Geberden und Geſichter des Bauers aus und ſtieß ihn mit den Worten in die Herberge:

„Passe, passe, imbecille, tu ferais rire une sen- tinelle de la Republique Française!“*)

Der Bauer trat in die Herberge und verlangte eine Pinte Bier, ſetzte ſich an den Kamin und ſteckte ſeine Pfeife mit ſolcher Unbefangenheit an, als hätte er zu der Familie des Wirthes gehört.

Baes Cuylen ergriff die Zange, ſchürte damit in dem Feuer, und indem er ſich zu dieſem Ende herab⸗ beugte, brachte er ſeinen Mund ganz nahe an das Ohr des alten Mannes, und ſagte leiſe:

„Jan, iſt unſer Paſtor fort und gerettet?“

„Ja,“ murmelte der andere.

„Und Bruno? Man hat es hauptſächlich auf ihn gemünzt.“

„Auch,“ lautete die geflüſterte Antwort.

Der Baes ſtellte die Zange an den Kamin und entfernte ſich von dem Banern.

*) Geh’, geh', Dummkopf, du machſt eine Wache der franzöſiſchen Republik lachen!

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