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doch die Rührung der Uebrigen nicht ſtören; die ſchöne Stimme Brunos hielt ſie in tiefem Selbſtvergeſſen be⸗ fangen; es war ihnen, als ſtiege ihre Seele zum Him⸗ mel, wenn die kunſt⸗ und gefühlvollen Töne ſich aus Brunos mächtiger Bruſt erhoben und niederſtrömend die ganze Kirche erfüllten.
Man ſagt, die Muſik ſei eine dunkle Sprache. Wenn ſie uur geſprochen wird, oder die Natur zu über⸗ geiſtigen ſucht, dann ja; aber die ächte Muſik iſt die Sprache des Gemüths, und wenn ſie aus dem Herzen und zum Herzen ſpricht, dann verſteht, oder lieher, fühlt ſelbſt das ſtammelnde Kind ihre leiſeſten Töne.
Die Worte, welche Bruno ſang, waren lateiniſch; es ſprach ſich alſo für den Zuhörer kein deutlicher Ge⸗ danke darin aus und dennoch verſtanden die Dorfbewoh⸗ ner wohl, was er ſagte, und empfingen und theil⸗ ten ſie den Eindruck jedes Wortes. Sie hörten wohl, daß es ein Gebet war; ein Gebet, ſo feierlich, ſo in⸗ nig, ſo erhebend, wie ſie noch nie eines gehört; ein Gebet, das ſie durch ſeine ernſten, tiefen Töne erſchüt⸗ terte, das ſie durch den Schmelz der Melodie zu Thrä⸗ nen rührte und das ſie durch das leiſe Verklingen der Stimme vor dem Throne des Allmächtigen niederbeugte, — ein Gebet endlich, das plötzlich ihre Bruſt ſchwellte und ſie in Entzücken verſetzte, als der ſchöne Sänger das Magnificat anhob und die Strophe:
Magnificat anima mea Dominum!
aus Brunos Bruſt wie ein mächtiger Trompetenton an das Gewölbe der Kirche dröhnte.
Der Lobgeſang wechſelte zwiſchen Chören, Gebeten des Geiſtlichen und Solis von Bruno. Nachdem der Gottesdienſt zu Ende war, erhob ſich jeder von ſeinem Platz, um die Kirche zu verlaſſen.
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