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Der Bauernkrieg (1798) : historischer Roman / von Hendrik Conscience
Entstehung
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Stimme und war in der Muſik ſehr erfahren. Der Kü⸗ ſter hatte deßhalb ſeit langer Zeit und mit großer Mühe den Sängern der St. Cäciliengilde einen feierlichen Lob⸗ geſang eingeübt, in welchem einige Solis vorkamen. Bruno ſollte dieſe Solis ſingen. 2

Seit drei Monaten hatten die Hausgenoſſen der Gildebrüder von St. Cäcilia von nichts gehört, als von die⸗ ſem Lobgeſang und Brunos ſchöner Stimme; und dieß lange Warten hatte ihre Neugierde ſo geſpannt, daß ſie zur Kirche eilten, als ſtände dort ein außerordentliches Ereigniß bevor.

Kurze Zeit, ehe die Glocke drei ſchlug, war die Kirche mit Meuſchen angefüllt; die Frauen und Mädchen im linken Schiff, die kleinen Mädchen auf derſelben Seite in der Mitte der Kirche, rechts die jungen Männer mit einem Durchgang zwiſchen beiden; die älteren Männer im rechten Schiffe. Während die eine Seite der Kirche heiter und friſch im Schmucke ſchneeweißer Spitzen und bunten Putzes prangte, dunkelte die andere durch die ein⸗ färbige braune Kleidung der Bauern.

Unter den Männern ſelbſt herrſchte noch eine beſon⸗ dere Ordnung nach Rang und Alter. Während die be⸗ jahrten Männer in der Mitte des Schiffes ſaßen, ſtanden die jungen Leute und die Männer im kräſtigen Alter mehr vorne bei dem Betaltar von St. Sebaſtian, dem Patron der Schützengilde. Von allen den mannbaren Jünglingen fehlten dort nur die Mitglieder der Cäcilia, die bereits ihren gewohnten Platz auf der Emporkirche einnahmen.

Bei dem Betaltar des hl. Sebaſtian ſtand ein ſol⸗ cher Jüngling, den Ellbogen auf den Betſchemel geſtützt und halb nach dem Bilde des Heiligen gewandt. In ſeiner Haltung lag etwas Uebermüthiges, in ſeinem An⸗ tlitz etwas Hartes und Spottendes, er ſchien ſich nicht zu erinnern, daß er ſich in Gottes Wohnung befand. Von Zeit zu Zeit entfielen ihm Worte des Spottes über Bruno und