Teil eines Werkes 
1. Bd. (1864)
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Ob es ſich nun wirklich verlohnte, um es zu hören,

1 ſechszehn(engliſche) Meilen auf der Eiſenbahn zu reiſen 3 mit der ſich daran knüpfenden Verſchärfung, auf der Rück⸗ fahrt halb zwei Uhr Morgens neunzehn Meilen auf der

Landſtraße zu machen: Das war eine Frage, welche er ſeinem Herrn und den jungen Fräulein zur Entſcheidung

überlaſſen wollte. Seine eigene Meinung wäre mittler⸗ 3* weile, ohne daß er ſich einen Augenblick zu bedenken brauche: 1 Nein.

Weitere Fragen, welche ſeitens aller weiblichen Dienſt⸗ leute der Reihe nach an ihn gerichtet wurden, brachten keine andere Mittheilung irgend welcher Art aus ihm heraus.

Thomas konnte keines von den Liedern nachſingen, eben⸗

ſowenig eines von den Kleidern der Damen beſchreiben. Seine Zuhörer gaben ihn daher hoffnungslos auf, und das Küchengeplauder wandte ſich wieder ſeinen gewöhnlichen Unterhaltungsſtoffen zu, bis die Uhr Acht ſchlug und die verſammelte Dienerſchaft in Bewegung gerieth und ſich trennte, indem Jedes an ſeine Morgenverrichtung ging. Ein Viertel nach Acht und nichts rührte ſich. Jetzt ſchlug es halb und ſchon machten ſich mehr Lebenszeichen in der Gegend der Schlafgemächer hörbar.

Das nächſte Familienglied, das die Treppe herunter

kam, war Mr. Andreas Vanſtone, der Herr vom Hauſe.

Ein Mann, groß, ſtark und von gerader Haltung, mit

hellen blauen Augen und geſunder blühender Geſichtsfarbe,

ſein Jagdkoller von braunem Plüſch nachläſſig und verkehrt

zugeknöpft, ſein kläffender kleiner ſchottiſcher Dachshund

hinter ihm her bellend, ohne von ihm zur Ruhe verwieſen

zu werden; wie er die eine Hand in der Weſtentaſche, mit

der andern fröhlich wie im Tacte auf das Treppengeländer ſchlagend, dabei ein Liedchen ſummend, die Treppe her⸗ niederſtieg: ſo zeigte Mr. Vanſtone ſchon im Aeußern ſeinen Charakter offen für Jedermann erkennbar. Ein ruhiger, gemüthlicher, hübſcher, launiger Gentleman, welcher auf des Lebens Sonnenſeite ſeinen Weg zu wandeln hatte und der Nichts mehr wünſchte, als daß er den Genoſſen ſeiner