Teil eines Werkes 
1. Bd. (1864)
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Eine Minute ſpäter wurde die erſte der Dienerinnen ſichtbar, einen dunkelbraunen Wollenſhawl um die Schul⸗ tern; denn der Märzmorgen war nicht eben ſonnig, und Rheumatismus war für die Köchin ein alter Bekannter.

Die Köchin nahm das erſte ſchmeichelnde Entgegen⸗ wedeln des Hundes ſo unfreundlich als möglich auf, öffnete langſam die Hausthür und ließ das Thier hinaus. Es war ein ſtürmiſcher Morgen. Ueber einem freien Platze und hinter einer Nadelholzpflanzung bahnte ſich die auf⸗ gehende Sonne ihren Weg durch Haufen zerriſſener grauer Wolken; ſchwere Regentropfen fielen da und dort einzeln nieder; der Märzwind ſauſte um die Ecken des Hauſes, und die naſſen Bäume ſchwankten träge hin und her.

Jetzt ſchlägt es ſieben Uhr; und nun folgen die Zeichen des erwachenden Lebens im Hauſe ſchneller aufeinander.

Die Hausmagd kommt herunter, ein langes, ſchmäch⸗ tiges Mädchen, dem die Frühjahrstemperatur roth an der Naſe geſchrieben ſteht. Das Kammermädchen folgt, ein junges, pfiffiges, pralles, aber noch etwas verſchlafenes Kind. Die nächſte iſt die Küchenmagd, geplagt mit Kopf⸗ reißen und daraus kein Hehl machend. Der Leßitr von Allen iſt der Bediente, der ganz erbärmlich gähnend zun Vorſchein kommt; das lebendige Conterfei eines Menſchen, der fühlt, wie er um ſeine ſüße Nachtruhe hetrogen worden iſt.

Die Unterhaltung der Dienerſchaft, wie ſie vor dem nach und nach ins Brennen kommenden Küchenfeuer bei⸗ ſammen war, bezog ſich auf ein jüngſtes Familienereigniß und blieb bei der Frage ſtehen: Hat Thomas, der Be⸗ diente, etwas von dem Concert zu Clifton geſehen, bei welchem den Abend vorher ſein Herr und die beiden jungen Töchter des Hauſes zugegen waren?

J

Ja. Thomas hatte das Concert gehört; er hatte Geld er⸗ halten, um auf einen der hintern Plätze zu gehen. Es war ein lautes Concert. Es war ein heißes Con⸗ cert. Es war an der Spitze der Programme als ein großes Concert beſchrieben.