Teil eines Werkes 
2. Bd. (1862)
Entstehung
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ſie ſorgſam und legte ſie in eine Schublade ihres Schränk⸗ chens. Sie verſchloß es und brachte mir den Schlüſſel.

Ich muß von Allem ſcheiden, das mich an ihn er⸗ innert, ſagte ſie.Verwahre den Schlüſſel, wo Du willſt, ich werde ihn nie wieder gebrauchen.

Ehe ich noch ein Wort ſagen konnte, hatte ſie ſich zu ihrem Bücherſchranke gewandt und das Album herausge⸗ nommen, welches Walter Hartright's Zeichnungen enthielt. Sie ſtand einen Augenblick und hielt das kleine Heft lie⸗ bend in beiden Händen, dann erhob ſie es und küßte es.

O Laura! Laura! ſagte ich, nicht erzürnt, nicht vorwurfsvoll nur mit Kummer in der Stimme und Kummer im Herzen.

Es iſt das letzte mal, Marianne, ſagte ſie mit flehen⸗ dem Tone;ich nehme ja auf immer Abſchied davon.

Sie legte das Buch auf den Tiſch und nahm den Kamm heraus, der ihr Haar feſthielt, welches dann in ſeiner unvergleichlichen Pracht über ihre Schultern und bis weit unter ihre Taille um ſie her wallte. Sie trennte eine lange, dünne Locke von den übrigen, ſchnitt ſie ab und befeſtigte ſie ſorgfältig auf dem erſten leeren Blatte des Albums. Dann ſchloß ſie eilig das Heft und legte es in meine Hände.

Du ſchreibſt an ihn, und er an Dich, ſagte ſie. So lange ich lebe, ſage ihm immer, wenn er nach mir fragt, daß ich wohl, und nie, daß ich unglücklich bin. Betrübe ihn nicht, Marianne wenn Du mich lieb haſt, betrübe ihn nicht. Wenn ich ſterbe, ſo verſprich mir, daß Du ihm dies kleine Buch mit ſeinen Zeichnungen und meinem Haare geben willſt. Es kann nicht Unrecht ſein, wenn ich geſtorben bin, ihm zu ſagen, daß ich es

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