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mit eigner Hand hineingethan. Und ſage ihm, o Ma⸗ rianne, ſage ihm dann für mich, was ich ſelbſt ihm niemals ſagen kann— ſage, daß ich ihn liebte!“
Sie ſchlang ihren Arm um meinen Nacken und flüſterte mir dieſe letzten Worte mit einer leidenſchaftlichen Wonne ins Ohr, die zu hören mir faſt das Herz gebrochen hätte. All der lange Zwang, den ſie ſich auferlegt hatte, wich unter dieſem erſten und letzten Ausbruche der Liebe. Sie riß ſich mit krampfhafter Heftigkeit von mir los und warf ſich in einem Anfalle von Weinen und Schluchzen, der ihren ganzen Körper erſchütterte, aufs Sopha.
Ich ſuchte vergebens, ſie zu beruhigen und mit ihr zu reden— ſie konnte weder ſich faſſen, noch mit ſich reden laſſen. Es war dies für uns Beide das traurige, plötz⸗ liche Ende dieſes denkwürdigen Tages. Als der Anfall vorüber, war ſie zu erſchöpft, um zu ſprechen. Gegen Nachmittag ſchlummerte ſie ein und ich legte das Album fort, damit ſie es nicht mehr ſehen möge, wenn ſie erwachte.
Mein Geſicht war ruhig, was immer mein Herz ſein mochte, als ſie die Augen wieder öffnete und mich an⸗ ſchaute. Wir ſprachen nicht weiter von der betrübenden Unterredung von heute Morgen. Weder Sir Percival, noch Walter Hartright wurden den ganzen Tag über wieder von uns Beiden genannt.
Den 9. November.— Da ich ſie heute Morgen etwas
beruhigter und gefaßter fand, nahm ich den peinlichen
Gegenſtand von geſtern in der Abſicht wieder auf, ſie zu bitten, mich deutlicher und entſchiedener über dieſe bekla⸗ genswerthe Heirath mit Sir Percival und Mr. Fairlie ſprechen zu laſſen, als ſie ſelbſt dies mit dem Einen oder 2*


