14 Gewalt, zu fühlen, daß Sir Percival zu tadeln ſei, und verſuchte dies auszuſprechen, aber mein Frauenherz be⸗ mitleidete ihn wieder Willen.
„Ich nehme Ihr Vertrauen und Ihre Treue dankbar an,“ ſagte er.„Das Geringſte, was Sie mir zu bieten haben, iſt mehr für mich, als das Aeußerſte, das ich von irgend einem Weibe der Welt erwarten dürfte.“
Ihre linke Hand hielt noch immer die meinige um⸗ ſchloſſen, aber ihre Rechte hing achtlos an ihrer Seite herab. Er führte ſie ſanft an ſeine Lippen, berührte ſie eher damit, als daß er ſie küßte, verbeugte ſich gegen mich und verließ dann rückſichtsvoll und beſcheiden ſchweigend das Zimmer.
Sie rührte ſich nicht, noch ſagte ſie ein Wort, nachdem er das Zimmer verlaſſen— ſie ſaß neben mir, kalt und ſtill, die Augen auf den Boden geheftet. Ich ſah, daß es hoffnungslos und nutzlos ſein werde, zu ſprechen und ſchlang daher nur meinen Arm um ſie, um ſie feſter an mich zu drücken. So ſaßen wir, wie es ſchien, eine lange traurige Weile, ſo lang und ſo traurig, daß ich unruhig um ſie wurde und leiſe zu ihr ſprach, in der Hoffnung, eine eundevund dadurch in ihr zu bewirken.
Der Klang meiner Stimme ſchien ſie zum Bewußtſein urüikzurufen Sie zog ſich plötzlich von mir zurück und ſtand auf.
„Ich muß mich drein ergeben, Marianne, ſo gut ich kann,“ ſagte ſie.„Mein neues Leben hat ſeine ſchwere Pflichten, und eine derſelben beginnt heute.“
Während ſie ſprach, trat ſie an den kleinen Tiſch am Fenſter, auf dem ihre Zeichenmaterialien lagen, ſammelte
Wilkie Collins, Die Frau in Weiß. II. 2


