Teil eines Werkes 
2. Bd. (1862)
Entstehung
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erzittern. Der folgende Morgen ſollte über ſeine Zukunft entſcheiden, und dies war ihm offenbar nicht unbekannt.

Ich ging, wie gewöhnlich, durch die Thür, welche unſere beiden Schlafzimmer trennte, hinein, um Laura, ehe ſie einſchliefe, gute Nacht zu wünſchen. Als ich mich auf ſie herabbeugte, um ſie zu küſſen, ſah ich Hartright's kleines Zeichenbuch halb unter dem Kiſſen verborgen, gerade an der Stelle, wo ſie als Kind ihr liebſtes Spielzeug zu ver⸗ ſtecken pflegte. Ich konnte es nicht übers Herz bringen, etwas darüber zu ſagen; aber ich deutete auf das Heft und ſchüttelte den Kopf. Sie ſchlang beide Hände um meinen Nacken und zog mein Geſicht zu ſich herab, bis unſere Lippen ſich begegneten.

Laß es dieſe Nacht noch da, flüſterte ſie;morgen mag ein grauſamer Tag ſein und mich zwingen, ihm auf immer Lebewohl zu ſagen.

Den 8. November. Das erſte Ereigniß des Mor⸗ gens war nicht von einer Beſchaffenheit, mich froh zu ſtimmen; es kam ein Brief für mich von dem armen Walter Hartright. Es iſt die Antwort auf den meinigen, in wel⸗ chem ich ihm ſchrieb, auf welche Weiſe Sir Percival Glyde den Argwohn beſeitigte, den Anna Catherick's Brief auf ihn geworfen. Er ſchreibt kurz und bitter über Sir Per⸗ cival's Erklärungen, indem er blos ſagt, daß er nicht das Recht hat, eine Meinung über Diejenigen abzugeben, welche höher ſtehen als er. Dies iſt traurig. Aber ſeine gelegent⸗ lichen Bemerkungen über ſich ſelbſt betrüben mich noch mehr. Er ſagt, daß die Anſtrengung, ſeine alten Gewohn⸗ heiten und Beſchäftigungen wieder aufzunehmen, ihm täg⸗ lich, anſtatt leichter zu werden, ſchwerer wird, und bittet