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ſtandes ſo kurz als möglich und brachte das Geſpräch dann ſofort auf Miſtreß Jazeph.
„Sie haben wohl gehört, was geſchehen iſt“, ſagte ſie zu dem Arzte.„Ich kann Ihnen gar nicht ſagen, wie tief es mich bekümmert. Meine Handlungsweiſe muß Ihren Augen ſowohl als denen der armen, unglück⸗ lichen Wärterin als die Handlungsweiſe einer eigenſin⸗ nigen, gefühlloſen Perſon erſcheinen. Ich möchte weinen vor Kummer und Verdruß, wenn ich bedenke, wie un⸗ überlegt ich war und wie wenig Muth ich zeigte. O, Lenny, es iſt furchtbar, das Gefühl irgend eines Men⸗ ſchen zu verletzen— dieſe unglückliche, hülfloſe Frau aber ſo zu kränken, wie wir ſie gekränkt, ihr ſo bittere Thränen ausgepreßt, ihr eine ſolche Demüthigung be⸗ reitet zu haben—“
„Meine liebe Roſamunde“, unterbrach Mr. Frank⸗ land,„Du beklagſt die Wirkungen, vergiſſeſt aber ganz die Urſachen. Bedenke, in welch einem Zuſtande von Angſt und Schrecken ich Dich antraf— ganz gewiß mußte ein Grund dazu vorhanden ſein. Bedenke auch, wie feſt Du die Ueberzeugung ausſprachſt, daß die Frau nicht recht bei Sinnen ſei. Du haſt doch in dieſem Punkte Deine Anſicht nicht etwa ſchon geändert?“
„Eben dieſe Meinung, Geliebter, hat mich die ganze Nacht gepeinigt und beunruhigt. Ich kann ſie nicht än⸗ dern; ich fühle mich mehr als je überzeugt, daß es mit dem Verſtande des armen Weibes nicht richtig ſein kann — und dennoch, wenn ich bedenke, wie gutmüthig ſie hierher kam, um mir beizuſtehen, und wie eifrig bedacht ſie zu ſein ſchien, ſich nützlich zu machen, kann ich nicht


