Teil eines Werkes 
3. Bd. (1862)
Entstehung
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Die dünnen Lippen der Haushälterin behielten ihr mütterliches Lächeln, das liebenswürdige Beneh⸗ men der Haushälterin verlor Nichts an ſeiner be⸗ ſcheidenen Zutraulichkeit, aber der Ausdruck ihrer Augen verwandelte ſich plözlich aus einem aufmerk⸗ ſamen in einen forſchenden Blick. Magdalene ſagte ruhig noch ein paar Worte, dann wartete ſie wieder das Reſultat ab. Die Veränderung breitete ſich allmählig über Frau Lecounts ganzes Geſicht aus; das mütterliche Lächeln erloſch und in das liebens⸗ würdige Benehmen miſchte ſich ein leichter Zug von Zurückhaltung. Aber noch wurde kein Zeichen einer beſtimmten Erkennung ſichtbar, der Ausdruck der Haushälterin blieb, was er von Anfang geweſen war, ein Ausdruck des Forſchens und weiter nichts.

„Sie klagten einige Minuten vorher über Er⸗ müdung, Herr,“ ſagte ſie, indem ſie jede weitere Unterhaltung mit Magdalene aufgab und ſich an ihren Herrn wendete.„Wollen Sie hineingehen und ausruhen?*

Der Eigenthümer des Landhauſes zur Seeaus⸗ ſicht hatte ſich bisher darauf beſchränkt, Verbeugun⸗ gen zu machen, einfältig zu lächeln und Magdalene mit halbgeſchloſſenen Augen zu bewundern. Die plözliche Unruhe und Aufgeregtheit in ſeinem Be⸗ nehmen und die erhöhte Farbe in ſeinem abgelebten kleinen Geſichte konnte nicht mißverſtanden werden. Sogar Herrn Noel Vanſtones Amphibiennatur er⸗ wärmte ſich unter dem Einfluß des Geſchlechtes; er hatte unſtreitig ein Kennerauge für ein hübſches Weib, und Magdalenens Anmuth und Schönheit gingen nicht ſpurlos an ihm vorbei.

Collins, Namenlos. III. 7