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ſelbſt wenn ich wollte. Aber ich habe auch kein Verlangen darnach. Ich will noch warten, bevor ich ihm mein Lebewohl ſende. Wenn jemals der Tag kommt, wo ich das Vermögen habe welches ich, wie mein Vater ihm verſprochen hat, ihm zubringen ſollte, weißt Du was ich damit thun würde? Ich würde es ganz Frank ſchenken, als meine Rache an ihm für ſeinen Brief, als das lezte Wort des Abſchieds von dem Mann welcher mich verlaſſen hat. Laß mich dieſen Tag noch erleben! Laß mich, liebe Nora, in der Hoffnung beſſerer Zeiten für Dich leben; das iſt all die Hoffnung, die mir noch übrig geblie⸗ ben iſt. Wenn ich an Dein hartes Leben denke, ſo kann ich faſt noch einmal die Thränen in meinen müden Augen fühlen; ich kann faſt denken daß ich zu meinem früheren Selbſt zurückgekehrt bin.
Ich werde Dir nicht hartherzig und undankbar erſcheinen, wenn ich Dir ſage daß wir noch eine Weile warten müſſen, bevor wir wieder zuſammen kommen. Ich möchte erſt beſſer gefaßt ſein Dich zu ſehen, als ich es jezt bin. Ich möchte Frank erſt noch in weitere Entfernung von mir und Dich noch näher zu mir bringen. Sind das haltbare Gründe? Ich weiß es nicht— frage mich nicht nach Gründen. Empfange den Kuß den ich hier auf die Stelle drücke, wo der kleine Kreis auf dem Papier gezogen iſt, und laß uns durch dieſes Mittel für die Gegenwart vereint glauben, bis ich Dir wieder ſchreibe. Gehab Dich wohl, meine Liebe. Mein Herz iſt Dir treu, Nora— aber ich wage Dich noch nicht zu ſehen. Magdalene.


