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Briefes las, welcher Frank einen Elenden und einen Buben nennt? Kein Menſch kann mich deßwegen ſo verachten, wie ich mich ſelbſt verachte. Ich bin gleichſam ein Hund, der zurückkriecht und die Hand ſeines Herrn beleckt die ihn geſchlagen hat. Aber es iſt ſo— ich möchte es Niemanden bekennen als Dir allein— es iſt wahrhaftig und in der That ſo. Er hat mich betrogen und verlaſſen; er hat mir ein grauſames Lebewohl geſchrieben— aber ich nenne ihn keinen elenden Buben! Wenn er Reue fühlte und wieder zu mir zurückkäme, ſo würde ich lieber ſterben als ihn jetzt noch heirathen! und dennoch ver⸗ lezt es mich tief in meinem Herzen, wenn ich das Wort Bube von Deiner Hand geſchrieben erblicke! Wenn er ſchwach in der Ausführung ſeiner Zwecke iſt, wer ſtellte ſeine Schwachheit über das Maß ſei⸗ ner Kräfte auf die Probe? Glaubſt Du wohl daß dieß vorgekommen wäre, wenn uns Michael Vanſtone nicht unſeres Eigenthums beraubt und damit Frank gezwungen hätte mich zu verlaſſen und nach China zu reiſen? Binnen einer Woche von dieſem Zeitpunkt an wäre das Aufſchubsjahr abgelaufen geweſen und ich wäre Franks Weib geworden, wenn man mir meine Mitgift nicht genommen hätte.
Du wirſt ſagen— nach Allem was vorgefallen iſt es gut daß ich einer ſolchen Heirath entgangen ſei. Meine Liebe! es gibt etwas Verkehrtes in meinem Herzen welches antwortet: Nein! Ich wäre beſſer Franks unglückliches Weib geweſen, als das freie Mädchen das ich jezt bin.
Ich habe ihm nicht geſchrieben. Er ſchickte mir keine Adreſſe, unter welcher ich ihm ſchreiben könnte,
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