Teil eines Werkes 
2. Bd. (1862)
Entstehung
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lich aus den Angeln gehoben und irre gemacht hat? Wahrlich ihre Worte und Blicke dürfen nicht zu ihrem Nachtheil gedeutet werden, wenn ſie nicht genug Herr über ſich iſt um ihr natürliches Urtheil zu beſizen wenn ſie bei einer ſo ganz bedeutungs⸗ loſen Frage die unvernünftige Ungeberdigkeit eines Kindes zeigt.

Kurz nach eilf Uhr gingen wir hinauf um wo möglich einige Ruhe zu finden.

Ich zog den Vorhang von meinem Fenſter weg und ſah hinaus. O welch eine qualvolle lezte Nacht war das! Kein Mond, keine Sterne: eine ſolch tiefe Finſterniß, daß nicht ein einziger der lieben, ver⸗ trauten Gegenſtände im Garten ſichtbar wurde, als ich nach ihnen ſchaute; eine ſolch tiefe Stille, daß ſogar meine eigenen Bewegungen im Zimmer mich beinahe erſchreckten. Ich verſuchte mich niederzulegen und zu ſchlafen, aber das Gefühl der Einſamkeit kehrte wieder und überwältigte mich gänzlich. Sie werden ſagen, ich ſei mit meinen ſechsundzwanzig Jahren alt genug, daß ich mich ſelbſt beſſer hätte beherrſchen ſollen. Ich weiß ſelbſt nicht recht wie es geſchah, aber ich ſchlich mich in Magdalenens Zim⸗ mer, gerade wie ich mich vor langen Jahren, als wir noch Kinder waren, hineinzuſchleichen pflegte. Sie war nicht zu Bette, ſondern ſaß, mit ihrem Schreib⸗ material vor ſich, nachdenklich am Tiſche. Ich ſagte, ich möchte gerne die lezte Nacht bei ihr zubringen, und ſie küßte mich, ſagte ich möchte mich nur legen, und verſprach bald nachzukommen. Mein Gemüth war etwas ruhiger geworden und ich ſchlief ein. Es war Tag als ich erwachte, und das Erſte was ich