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„Nachdem ich mir durch dieſes Bekenntniß Luft geſchafft habe, kann ich jezt auf den eigentlichen Ge⸗ genſtand meines Briefes kommen. Ich verſprach, wenn Sie keine Muße fänden uns heute zu beſuchen, Ihnen zu ſchreiben und Alles zu erzählen was ſeit Ihrem Weggang vorgefallen iſt. Der Tag iſt vor⸗ übergegangen ohne daß wir Sie zu ſehen bekamen. Ich öffne alſo meinen Schreibzeug und halte mein Verſprechen. Mit Bedauern muß ich melden daß drei von unſern Dienſtmädchen— die Hausmagd, die Küchenmagd und ſogar unſer Kammermädchen, gegen das wir gewiß immer freundlich waren— gleich nach Ausbezahlung ihres Lohnes durch Ihre Vermittlung aufpackten und ſich davon machten, ſo⸗ bald Sie den Rücken gekehrt hatten. Sie verab⸗ ſchiedeten ſich von uns ſo ſteif und gefühllos, als ob ſie unter ganz gewöhnlichen Umſtänden das Haus verließen. Die Köchin benahm ſich troz ihrer hefti⸗ gen Gemüthsart ganz anders: ſie ließ uns ſagen daß ſie dableiben und bis zum lezten Augenblick uns beiſtehen wolle. Und Thomas, der nie an einem andern Plaz geweſen war als bei uns, ſprach mit ſolcher Dankbarkeit von der unwandelbaren Güte meines theuern Vaters gegen ihn und bat ſo drin⸗ gend um Erlaubniß uns auch ferner zu bedienen ſo lange ſeine kleinen Erſparniſſe ausreichen, daß Mag⸗ dalene und ich alle Rückſicht auf die Form hintan⸗ ſezten und ihm beide die Hand reichten. Weinend ging der arme Burſche aus dem Zimmer. Ich wünſche ihm alles Glück; möge er einen freundlichen Herrn und einen guten Plaz finden!
„Der lange, ſtille, regneriſche Abend— der lezte


