Teil eines Werkes 
Entstehung
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jetzt ſo traurig und muͤde bin, haſt Du gepflegt, wie das liebſte Deiner Kinder! Du haſt unaus⸗ ſprechliche Troͤſtungen dem Herzen zugefluſtert, wel⸗ ches der Welt, durch die es getäuſcht worden, uͤber⸗ druͤßig war! Du gewährteſt mir in den Stuͤr⸗ men auf den Bergen eine Muſik, meinem Ohr wohl⸗ toͤnender, als die in den Paläſten Du ließeſt die Blumen und das Gras mich anlächeln, wie liebliche Kinder ihren Vater. Mir war jeder Deiner ewigen Sterne wie der Blick der erſten Geliebten dem Her⸗ zen des Dichters! Ratur! meine Mutter Natur! So wie der Knabe in der harten Sklaverei der Schule ſich in das Freie ſehnt, ſo ſehnte ich mich in den Mauern der Städte und unter dem Treiben fremder Menſchen nach Deiner ſuͤßen umarmung, nach Deinem Buſen, an den ich mein Haupt legen, und meinen Thränen freien Lauf laſſen konnte! Ich danke Dir, Natur, daß Du bis auf den letzten Augenblick mir treu bleibſt! Richt in den engen Gemächern der Arbeit und Muͤhſeligkeit nicht ge⸗ feſſelt auf ein Lager, von wo meine Augen, wenn ſie Dich ſuchten, nur jene kahlen Waͤnde erblicken wuͤrden, die des Sterbenden traurigſtes Gefaͤngniß ſind, oder durch das Gitter nur ſchauen könnten das gleichgultige Drängen der untheilnehmenden Menge nicht ſo wird mein letzter Seufzer mich vereinigen mit der großen Quelle des Lebens! In jenem geheimnißvollen Augenblick, wenn der letzte Athem