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jedoch alle durch die Beleuchtung des Ganzen noch verklärt uud verſchoͤnert erſchienen. Jeder Dialog plato's iſt mehr oder weniger dramatiſch— der Phaedon jedoch am meiſten von allen. Es iſt ein Gemaͤlde von außerordentlicher Großartigkeit und Milde, in dem alle Geſtalten deutlich und lebendig ſind. Wir ſehen die vielen Schuͤler, einige Athenien⸗ ſer, andere Fremde, am fruͤhen Morgen des letzten Tages ihres Fuͤhrers und Lehrers an dem Thore des Gefängniſſes warten— denn das Schiff des Thr⸗ ſeus iſt jetzt zuruͤckgekehrt*), mit Blumen bekraͤnzt, als ein feſtliches zugleich, und als ein Opfer⸗Zeichen. Im Gefaͤngniß ſelbſt werden dem Sokrates die Feſ⸗ ſeln abgenommen.— Da ſtehen ſeine Schuͤler, trau⸗ ernd, aber nicht verzweifelnd— begeiſtert durch die fruͤheren Lehren ihres Freundes und Fuͤhrers— be⸗ ſeelt durch jene eigenthuͤmliche Leidenſchaft— nicht des Mitleidens, welche Plato ſo ſchon beſchrieben hat, in welcher der Schmerz uͤber ſeinen Tod durch alle jene Troͤſtungen, die ſie aus ſeinen letzten Un⸗ terredungen ſchoͤpfen, faſt aufgehoben wird. Der Gefangenwärter erſcheint— das Thor wird geoͤffnet — ſie ſind beim Sokrates. Die Art und Weiſe, in welcher, nachdem die lauten Klagen der antippe be⸗
*) Kein Verbrecher durfte vor deſſen Ruͤckkehr hinge⸗ richtet werden.
Bulwer's Werke. LTaſchenausg. VI. 19


