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Es gibt Menſchen, welche die Welt zu kennen behaupten, weil ſie deren Laſter kennen. Raͤumten wir dies ein, ſo wuͤrde kein Weiſer es mit einem Beämten von Bow⸗ſtreet oder dem Schließer von Newgate aufnehmen können. Das koͤnnte nur fuͤr Weltkenntniß gelten, wenn die Welt von lauter Schelmen bewohnt waͤre. Wer von dieſer Anſicht ausgeht, wird unſern Geiſt ſo wenig zu beurtheilen wiſſen, als ein Arzt unſern Koͤrper, wenn er deren nie anders als in krankhaftem Zuſtande geſehen hat. Solche Leute wuͤtden die Geſundheit ſelbſt fuͤr eine Krankheit halten! Im Allgemeinen finden wir in der That, daß die Menſchen ſich von ihren Schwa⸗ chen, nicht von ihren Laſtern leiten laſſen, und dieſe Schwaͤchen ſind oft das Liebenswuͤrdigſte an ihnen. Der ſchwankende Jaffier verräth ſeinen Freund durch eine Schwäche, welche ein verhärteter Verbre⸗ cher eben ſo gut empfunden haben mochte, und wel⸗ che in dieſem Verbrecher der Anlaß ſeiner Schuld geweſen ſein konnte. Die mit einem Blick erſpähte Kenntniß dieſer Schwaͤchen ſetzt uns beſſer in Stand, unſer Geſchlecht zu verſtehen und zu gewinnen, als die Kenntniß der Laſter, zu welchen dieſelben fuh⸗ ren; es iſt rathſamer, die Eine urſache zu erfaſſen, als die tauſend Wirkungen zu erwägen. Die erſtere Kenntniß iſt es, welche ich vorzugsweiſe die Weltkennt⸗ niß nenne. Sie iſt es, welche Moliere im Drama unſterb⸗ lich machte, und Talleyrand im Leben auszeichnete.
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