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neuerer Grund— gehoͤrt nicht eine gewiſſe Ruhe und Freiheit des Geiſtes zu großen Anſtrengungen? In der Ueberzeugung, daß wir beſitzen, was wir am hochſten ſchätzen, können wir mit heiterer Zuverſicht und Hoffnung in die Weite blicken; das Bewußtſein, daß wir einen Schatz in Händen haben, den äußeres Mißrathen nicht zu erſchoͤpfen vermag, macht uns kuͤhn und unternehmend. Jetzt trägt Alles die Farbe unſrer Niedergeſchlagenheit; unſer Selbſtgefuͤhl, die⸗ ſer nothwendige Sporn des Ruhmes, iſt gebeugt und gedemuthigt. unſer Stolz hat einen droͤhnenden, bittern Stoß erhalten. Wir fuͤhlen nicht mehr, daß wir einer gewichtigen Anſtrengung gewachſen ſind. Wir wundern uns, wie wir fruͤher ſo viel gewagt haben. und das iſt der Grund, warum dem Othello, als er ſich verrathen wähnt) die Beſchäftigungen ſei⸗ nes ganzen Lebens ploͤtzlich ſo läſtig und verhaßt wurden.
„Fahr' wohl,“ ſagt er,
„Fahr' wohl, des Herzens Ruh! Fahr' wohl, mein
Friede!“
und dann fuͤgt er, als das unbewußte, aber noth⸗ wendige Glied in der Gedankenreihe, ſogleich hinzu:
„Fahr' wohl, du wallender Helmbuſch,
ſtolzer Krieg,
Der Ehrgeiz macht zur Tugend. O fahr' wohl!
Fahr' wohl, mein wiehernd Roß und ſchmetternd Erz,
Muthſchwellende Trommel, Ee Pfeifenklang,


