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das Jenſeits, das die gluͤcklichen Todten vereinigt,
die in Liebe ſterben, die Neigung wiedererwecken, die ſchon erloſchen war, ehe das Leben noch hinſchwand?
Was ſollen wir thun? Wir haben uns daran gewoͤhnt, zu lieben und geliebt zu werden. Koͤnnen wir uns zu neuen Banden wenden, und in einem Andern ſuchen, was in dem Einen verſiegt iſt? Wie nichtig iſt oft dieſe Zuflucht? Haben wir nicht die⸗ ſem— dem falſchen, verrätheriſchen Freunde— die beſten Jahre unſres Lebens, die Jugend unſres Her⸗ zens, die Bluͤthe unſrer Zuneigung geſchenkt? Ha⸗ ben wir nicht die Erndte hingegeben? Und wie we⸗ nig iſt fuͤr einen Andern zum Nachleſen geblieben? Das eben macht das Verbrechen der moraliſchen Un⸗ treue. Wer uns ſeine oder ihre Liebe entzieht, raubt uns auch die Liebe der uͤbrigen Welt. Wir haben vielleicht die Jugend, die Reize nicht mehr, Neigung zu erwerben. Einſt hätten wir aus der ganzen Welt wählen koͤnnen— jetzt iſt die Zeit voruber. Wer ſoll uns in unſerm welken, vertrockneten Laube ſo lieben, wie in den Tagen, wo wir die meiſten der Eigenſchaften beſaßen, welche Liebe gewinnen? Es war ein ſchoͤner Gedanke, als die Frau, welche ihr Gatte verſtoßen wollte, ausrief:„So gib mir auch zuruͤck, was ich Dir zugebracht habe.“ und der Mann antwortete in der gemeinen Rohheit ſeiner Seele:„Du ſollſt Dein Vermoͤgen wieder haben.“ „Ich dachte nicht an Vermoͤgen,“ erwiederte die
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