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lige Abnahme der Zuneigung, mißt es in ſeiner himm⸗ liſchen Guͤte den abgewendeten Blick, das froſtige Wort tauſend Urſachen— der Sorge, dem Unwohl⸗ ſein, einer äußern Unruhe, einem Alles verdrängen⸗ den Gedanken— nur der rechten nicht bei; und ſo verſucht das arme thoͤrichte Ding durch größere Zaͤrt⸗ lichkeit fuͤt einen Schmerz zu entſchädigen, an dem es keine Schuld hat. Aber ach! die Zeit iſt gekom⸗ men, wo es nicht mehr zu entſchädigen vermag. Er iſt ſeinem grauſamen Mitgenoſſen nicht mehr ſein Alles in Allem. Die Gewohnheit hat ihren ewigen Fluch ausgeſprochen, und die Gleichguͤltigkeit la⸗ gert da, wo wir unſere Seele ausgeſchuͤttet hatten. Endlich bricht das entſetzliche Licht uͤber uns ein⸗ Wir erkennen, daß man uns nicht mehr liebt. Und welches Heilmittel ſteht uns offen? Keines. Unſer erſtes, natuͤrliches Gefuͤhl iſt Groll. Wir rufen Verrath; wie haben wir dieſes undankbare Herz, das von uns abgefallen iſt, geſchätzt und gehegt, wie ha⸗ ben wir jeden Pfeil von ihm abzuwenden geſucht, wie haben wir in der Ferne und in Einſamkeit in ſehnenden Gedanken an ſeine Treue und Schoͤnheit geſchwelgt— und nun iſt es nicht mehr unſer! Dann brechen wir in wilde Vorwuͤrfe aus— wer⸗ den tyranniſch— bewahren jeden Blick— wägen jede Handlung ab— wir ſind unglücklich— wer⸗ den läſtig— verletzend. Dieſer unſer Schmerzens⸗ rampf, die ungeſtuͤmen Ausbruche unſrer Leidenſchaf⸗
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