Ueber Untreue in der Liebe.
Fir den gewöhnlichen Menſchen gibt es nur Eine untreue— die, welche, wenigſtens bei dem Weibe nie gebuͤßt, oder verziehen werden kann. Er kennt nicht die tauſend Schattirungen, in welche ſich der Abfall verkleidet, er verfolgt nicht die furchtbaren Fortſchritte, welche die Entfremdung des Herzens macht. Nur fuͤr den, welcher tief und wahrhaft tiebt, gibt es eine Untreue, bei welcher der Koͤrper nicht betheiligt iſt. Gleich der Undankbarkeit wird ſie von den Geſetzen nicht beſtraft. Wir haben kein Mittel, uns zu raͤchen. Wer kann, wenn ſich zwei Perſonen aus Liebe verbunden haben, und die Nei⸗ gung des Einen die des Andern uͤberlebt, die Qual des ungluͤcklichen ermeſſen, der das Erloͤſchen eines Lichtes bewacht, welches nichts wieder anzuͤnden kann! Dazu trifft es ſich noch häufig, daß die erſte Ent⸗ deckung plotzlich eintritt. In dem liebenden Herzen liegt ein ſo tiefes Vertrauen; blind gegen die allmä⸗ Bulwer's Werke. Taſchenausg. VI. 3


