Teil eines Werkes 
1. Th. (1835)
Entstehung
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Je civiliſirter, je verfeinerter die Zeit iſt, in der wir leben, deſto leichter koͤnnen wir uͤberſaͤttigt werden

Den Ueberdruß an Allem, Was wir fuͤhlen, hoͤren, ſehn.

Das gewoͤhnliche Treiben, jene Beſchaͤftigung mit dem Nichtigen, jene bequeme unthaͤtigkeit, die Aller Loos iſt, welche, von vornehmer Geburt und reich, keinen andern Beruf haben, als nach ihren Neigun⸗ gen zu leben, bewirken dieſelbe koͤnigliche unzufrie⸗ denheit, welche einſt das Attribut eines Koͤnigs war. In einem freien und reichen Lande ſind alle Reiche und Unabhaͤngige wie Koͤnige. Wir haben dieſelbe glaͤnzende Einfoͤrmigkeit, daſſelbe ſich ſtets wieder⸗ holende Prunkſchauſpiel, uͤber welche an den Hoͤfen ſo haͤufig geklagt wird. Die ganze Geſellſchaft iſt jetzt zu einem Hofe geworden, und wir bringen un⸗ ſer Leben ſo zu, wie Frau von Maintenon, indem wir Diejenigen uns zu unterhalten bemuͤhen, welche nicht unterhalten werden koͤnnen, oder indem wir wie Ludwig XIV. uns durch Die wollen unterhalten laſſen, die uns nicht unterhalten koͤnnen. ueberſät⸗ tigung iſt daher der gewöhnliche und allgemeine Fluch des unbeſchaͤftigten Theils eines hoch⸗ civili⸗ ſirten Landes. Auch entſprechen ſich die ungleichhei⸗ ten des Lebens oft in ihren Erſcheinungen. Werden die an dem einen Extrem von dem Vergnuͤgen aus⸗

Bulwer's Werke. Taſchenausg. V. 17