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Guüter?— Soll nur der Koͤrper und deſſen Wohl uns in Anſpruch nehmenk Sind wir geſchaffen, um nur fur unſer Ich zu leben?— Duͤrfen wir irgend einen irdiſchen Vortheil zu dem Hauptzweck unſeres Daſeins machen, und
„Propter vitam vivendi pordere causas?“
Ich geſtehe, daß ich nicht einſehen kann, wie die Menſchen ſich den Hoffnungen eines unſterblichen Weſens hingeben— wie ſie die alte Wahrheit von der Nichtigkeit des Lebens, von dem Vorzuge geiſtiger Genuͤſſe in Beziehung auf phyſiſche, von dem uͤberwiegenden Einfluß des Geiſtes und des gei⸗ ſtigen Strebens wiederholen, und doch die Geſund⸗ heit als unſer größtes Gut preiſen, die Ruͤckſichten für dieſen verfallenden Staub als den wichtigſten aller menſchlichen Zwecke darſtellen konnen. Die Ge⸗ ſundheit iſt allerdings ein großes Gut, deſſen Erhal⸗ tung nicht vernachlaͤſſigt werden darf;— aber es gibt noch weit heiligere Pflichten— Pflichten, die den Korper nicht beachten duͤrfen; denn wir ſollen nicht allein leben, ſondern wir ſollen auch wuͤrdig leben! Und dieſes Gebot iſt nicht ohne erhabene Vor⸗ bilder.— Wer lieſet den großen Dichter, der„von himmliſchen Dingen ſang,“ und erinnert ſich nicht, daß ſeine Handlungen ſeinem hochfliegenden Genius entſprachen— daß er„der Sonne keine Huldigung bringen konnte;“ daß er ſelbſt der Wohlthat des


